Stadt oder Umland: Lohnt sich das Pendeln wirklich?

Bis sieben Uhr schlafen, in Ruhe Müsli oder Nutellabrot frühstücken, und dann zu Fuß zur Arbeit gehen. Ohne Hast, ohne Verspätung, ohne Verkehrsprobleme: Für Millionen Deutsche ist dies ein Traum - auf dem Weg zur Arbeit verbringen sie teils mehrere Stunden am Tag im Zug oder im Auto – auch, weil sich die Mieten in den Großstädten kontinuierlich erhöhen. Über 60 Prozent der Arbeitnehmer zieht es laut dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) täglich von außerhalb der Stadtgrenzen in die großen Metropolen. Tendenz: steigend.

Das Online-Sparportal CupoNation hat sich die Frage gestellt: Lohnt sich das Pendeln wirklich? In einer Studie wurden die Mietpreise in zehn deutschen Städten und jeweils fünf umliegenden Orten bis 130 Kilometer Entfernung verglichen. Ziel war es, Kostenvorteile beim Pendeln herauszufiltern. Als Referenz wurde eine Wohnung mit 3 Zimmern und einer Größe zwischen 60 und 70 m² genommen, die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz auf maximal 130 km festgelegt. Für den Vergleich der Pendler, die diesen Weg mit dem Auto zurücklegen, wurde die Fahrtkostenrechnung 2017 des ADAC, die die durchschnittlichen Kosten für Wenig-, Normal- und Vielfahrer inklusive Laufleistung, Wertverlust und Verschleiß zusammengestellt hat, zugrunde gelegt.

Städte-Vergleich: Preisunterschied von bis zu 924 Euro

 

Mit täglich mehr als 350 000 Menschen, die zum Arbeiten in die Stadt fahren, ist München der Spitzenreiter – was sich auch in den Mietpreisen niederschlägt. Die bayrische Landeshauptstadt hat mit 1322 Euro die höchste Durchschnittsmiete der zehn verglichenen Städte für die gesuchte Beispiel-Wohnung, gefolgt von Stuttgart, Frankfurt, Hamburg und Berlin, die preisgünstigste Unterkunft findet sich mit 398 Euro in Leipzig - für den Münchner Preis könnte man dort also drei Referenz-Mietwohnungen beziehen.

 

München steht synonym für die Mietpreisexplosionen - auch, weil die Mietpreisbremse in vielen Fällen ihr Ziel verfehlt. Laut einer Miettest e.V. Studie verstoßen 44 Prozent aller neu geschlossenen Miet-Verträge gegen das neue, aber eben auch sehr löchrige Gesetz - die Studie prognostiziert zudem, dass sich das Problem der zu hohen Mieten in den nächsten Jahren noch verschärfen wird. Das gilt auch für Berlin, den Rekordhalter beim Pendlerzuwachs: Seit 2000 ist die Zahl der Arbeitsreisenden in der Hauptstadt um 53 Prozent auf rund 280 000 angestiegen. In beiden Städten lohnt sich nach unserem Vergleich das Pendeln.

 

Die Durchschnittsmiete einer 3 Zimmer Wohnung mit 60-70qm beträgt in Berlin 753 Euro – im 35 km entfernten Potsdam zahlt man mit durchschnittlich 482 Euro bereits 271 Euro Miete weniger. Zusammen mit einer Monatskarte für den Öffentlichen Nahverkehr bleibt hier eine Ersparnis von 263 Euro, in Eberswalde von 274 Euro. Spitzenreiter der Pendlerstädte ist Chemnitz, in dem die Vergleichswohnung mit durchschnittlich 319 Euro Miete rund viermal so preiswert ist wie eine Unterkunft in München. Wer in die Isar-Metropole pendelt, kann, auf die Summe aus Miete und Kosten für Öffentlichen Verkehr gerechnet, in Augsburg 447 Euro, in Erding 423,60 Euro sparen.

 

In Ballungsräumen wie Dortmund, Düsseldorf und Köln bringen längere Anfahrten keine signifikante Ersparnis. So beträgt beispielsweise die größte Ersparnis beim Pendeln aus den fünf umliegenden Orten in die Heimatstadt des BVB 47,69 Euro – vom 32,4 km entfernten Recklinghausen aus.

 

In Hamburg und Frankfurt können Angestellte das Pendeln bei genauer Kalkulation und von ausgewählten Orten wie Pinneberg (Ersparnis 213 Euro) respektive Hanau (145 Euro) aus in Betracht ziehen.

Finanzielle Ersparnis nur mit Nutzung der Öffentlichen Verkehrsmittel

 

22 Prozent der deutschen Arbeitnehmer sind nach einer Studie des Statistischen Bundesamtes zwischen 30 und 60 Minuten pro Strecke unterwegs, 47 Prozent zwischen 10 und 30 Minuten. In den Ballungsräumen nutzen 32 Prozent die öffentlichen Verkehrsmittel, 49 Prozent Auto oder Zweirad. In allen verglichenen Städten sind bis auf eine Ausnahme (von Neuss nach Düsseldorf) die durchschnittlichen Kosten für Miete und Auto höher als die für Miete und Öffentliche Verkehrsmittel. Zugrunde liegt dem die Autokostenrechnung des ADAC, die die durchschnittlichen Kosten für Wenig-, Normal- und Vielfahrer inklusive Laufleistung, Wertverlust und Verschleiß zusammengestellt hat. Rechtfertigen sich die höheren Kosten durch Zeitersparnis? Nein. In Berlin sparen Pendler mit Bahn und Öffentlichem Nahverkehr mit Hin- und Rückweg zwischen 44 und 68 Minuten, in Hamburg zwischen 36 und 64 Minuten, in Köln zwischen 18 und 44 Minuten und in Frankfurt am Main bleiben täglich zwischen 10 und 124 Minuten mehr Freizeit.

Quellen/Methodik:

  • Mietpreis: Durchschnitt aller verfügbaren Drei-Zimmer Wohnungen mit 60-70qm am 06./07.06.2017 auf www.immobilienscout24.de, www.immowelt.de und www.immonet.de
  • Fahrtzeiten: laut google.de/maps, schnellste Route; übliche Verkehrslage
  • Fahrtkosten Auto: ADAC Autokostenberechnung 2017, variable Kosten für Pendler, Wenigfahrer (44,1 Cent ), Normalfahrer (32,8 Cent ), Vielfahrer (28,7 Cent )
  • Fahrtkosten Bahn: DB, Strecken Abo (persönlich, nicht übertragbar; bei jährlicher Zahlung, 2. Klasse)
  • Fahrtkosten Stadt: Annahme von bis zu 15km Arbeitsweg, bzw. Öffentlicher Nahverkehr im Stadtgebiet (Jahresabo, monatlich umgelegt)
  • Fahrtzeiten: laut google.de/maps, schnellste Route; übliche Verkehrslage
  • Pendlerinformationen: BfS (Bundesamt für Statistik), Pendlermobilität 2015

Pressekontakt:

Bijan Martin | bijan.martin@cuponation.de | 0049 1743078227

Markus Löblein | markus.loblein@cuponation.com | 0049 1608059856