Die Oscars 2017

Der Oscar-Gewinn: So günstig wie noch nie

Oscar-Gewinn so billig wie seit 70 Jahren nicht

  • Zehn Jahre in Folge gewann nie der Nominierte mit dem höchsten Produktionsbudget den Film-Oscar. Der jüngste Preisträger „Moonlight“ bestätigt den Trend der letzten Jahre
  • In der Oscar-Historie gab es nur zwei Perioden, in denen regelmäßig Summen über 69 Millionen Dollar für einen Titelgewinn ausgegeben werden mussten: 1959 bis 1970 und 1994 bis 2006
  • Diese Phasen fallen zusammen mit den globalen Wirtschaftsaufschwüngen und enden zeitgleich mit den großen Weltwirtschaftskrisen
  • Die Produktionskosten der Filme, die mit dem Oscar für den „Besten Film“ prämiert wurden, sind heute so niedrig wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr

München, 27. Februar 2017 Am Sonntag wurden in Hollywood zum 89. Mal die „Academy Awards“ verliehen, bekannter unter ihrem Spitznamen „Oscars“. Der gestrige Preisträger für den „Besten Film“, „Moonlight“, bestätigt den Trend der letzten Jahre, den das Sparportal CupoNation in seiner jüngsten Studie festgestellt hat: Seit dem Zweiten Weltkrieg waren die Produktionskosten der Oscar-Sieger-Filme inflationsbereinigt nie so niedrig wie heute.

Die Filmbudgets der Oscar-Sieger in der Rubrik „Bester Film“ befinden sich seit dem Erfolg von Titanic im Jahr 1997 im freien Fall. Berechnet man die Herstellungskosten nach heutigem Geldwert inklusive Inflationsausgleich, kommt man zu dem überraschenden Befund: In den vergangenen acht Jahren kostete die Produktion eines Sieger-Films im Schnitt nur 21,6 Millionen Dollar, so wenig wie zuletzt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Durchschnittliche Produktionskosten der Oscar-Gewinner der Kategorie „Bester Film"



Der Oscar-Preisträger vom Sonntag fügt sich in dieses Bild: Mit einem Budget von unter 5 Millionen Dollar liegt „Moonlight“ noch einmal deutlich unter den Produktionskosten der Siegerfilme der letzten acht Jahre. In der gesamten Oscar-Historie ist er sogar der drittbilligste Kinofilm, der je mit dem begehrten Film-Oscar prämiert wurde.

Tatsächlich gab es nur zwei Phasen in der Oscar-Historie, in denen Filmunternehmen besonders hohe Millionensummen in die Hand nehmen mussten, um den Preis in der Rubrik „Bester Film“ zu gewinnen, so das Ergebnis der CupoNation-Studie: Von 1959 bis 1970 hatten sie fünfmal mehr als 69 Millionen Dollar zu investieren, dreimal sogar mehr als 100 Millionen Dollar. Nur in der Periode von 1994 bis 2006 mussten Filmproduzenten noch tiefer in die Tasche greifen: Insgesamt siebenmal kostete der Oscar-Siegerfilm in der Produktion mehr als 69 Millionen Dollar, fünfmal sogar über 100 Millionen Dollar. Außerhalb dieser Zeiträume erreichten überhaupt nur zwei Oscar-Gewinner solch enorme Budgets, und das auch nur knapp: „Vom Winde verweht“ für das Jahr 1939 mit inflationsbereinigt 69,05 Millionen Dollar und „Jenseits von Afrika“ 1985 mit 69,53 Millionen Dollar.



Budget-Analyse der Oscar-Gewinner der Kategorie „Bester Film"
 



Die beiden Perioden des „Big Spending“ in der Filmbranche fallen interessanterweise mit den historischen Phasen der großen wirtschaftlichen Aufschwünge nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen: Zunächst dem globalen Nachkriegsboom, in seiner deutschen Ausprägung bekannt als Wirtschaftswunder, der in den Weltwirtschaftskrisen Anfang der 1970er Jahre sein Ende fand, sowie dem Boom der 1990er Jahre und seinem endgültigen Ende in der Finanzkrise ab 2007. Völlig unbeeindruckt blieb die Filmindustrie bemerkenswerterweise vom Platzen der Dotcom-Blase im März 2000. Sogar drei Siegerfilme überschritten nach Beginn der Nullerjahre die 100-Millionen-Dollar-Marke beim Filmbudget: „Gladiator“, der Preisträger für das Jahr 2000, „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ im Jahr 2003 und „Departed - Unter Feinden“ 2006.

Der aktuelle Sieger-Film verfestigt noch einen weiteren Trend: Bereits zum zehnten Mal in Folge wird aus dem Kreis der Nominierten nicht der Film mit den höchsten Produktionskosten von den Mitgliedern der Akademie zum Preisträger gewählt. Mit „Moonlight“ hat dieses Jahr sogar der am preisgünstigsten produzierte Nominierte den Sieg eingefahren.

Was bedeutet dies für künftige Produzenten und Regisseure mit Oscar-Ambitionen? Jürgen Burkhart, CupoNation-Direktor Deutschland, wagt eine Prognose: „Besonders teure Filme haben nicht unbedingt die besten Chancen auf den Titelgewinn. Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre, dürfte ein Film im mittleren Kostenbereich um die 20 Millionen Dollar die besten Chancen auf den Sieg in der Kategorie ‚Bester Film‘ haben. Doch auch Blockbuster sollte niemand vorschnell abschreiben. In der Vergangenheit stiegen mit jedem dauerhaften globalen Wirtschaftsaufschwung auch die Produktionskosten der Oscar-Preisträger für den ‚Besten Film‘ wieder an – stets der Beginn eines neuen Zeitalters des ‚Big Spending‘ in Hollywood.“